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Überfahrt Bermuda - Azoren

Tag 1 (17.05.2024)

Morgens: ein letzter Blick auf‘s Wetter, es ist eher zu wenig, als zu viel Wind angesagt, aber wir wollen kein Risiko eingehen. Dann klarieren wir aus und gehen mittags Anker auf. Uns ist ein wunderschöner Downwind-Segeltag bei 14-18kn Wind, Sonnenschein und angenehmer 1-2m-Welle vergönnt. Am Ende des Tages haben wir die ersten 68sm der nach Route berechneten 1981sm hinter uns. Wir sind guter Dinge, Azoren wir kommen 🙂

Tag 2 (18.05.2024)

In der Nacht und am Morgen ziehen einige Regenschauer durch, es bleibt überwiegend bedeckt, nur in wenigen Momenten lässt sich die Sonnen für einige Minuten blicken. Wind und Welle bleiben unverändert, mal etwas stärker, mal etwas schwächer, von uns aus dürfte es so weiter gehen. Etmal: 137sm

Tag 3 (19.05.2024)

Am Morgen lässt der Wind etwas nach und wir wechseln von Genua auf Gennaker, so segeln wir den restlichen Tag bei 6-12kn Wind mit 4-6kn Fahrt durch ein nicht enden wollendes Grau-in-Grau, durchsetzt von zahlreichen Regenschauern; nur ganz vereinzelt lässt sich die Sonne heute blicken. Wir spielen, schauen Filme, trinken Tee und nappen uns so durch den Tag… Etmal: 111sm

Tag 4 (20.05.2024)

Nachts schlackert sogar der Gennaker nur noch kraftlos herab, wir bergen ihn und motoren durch die nass-kalte Flaute. Es hat sich inzwischen eingeregnet. Geschlagene 15 Stunden läuft der Motor. Es wird viel gelesen, gemalt, ein bisschen Schule gemacht, Film geschaut, Musik gehört, ich nutze die Gelegenheit und nähe mal wieder was.
Erst am am frühen Abend kommt wieder etwas Wind und wir können endlich den Motor ausstellen. Etmal: 104sm

Tag 5 (21.05.2024)

Wir kommen nicht voran. Bereits in der Nacht schläft der Wind wieder ein. Auch der Wechsel auf den Gennaker kurz vor Sonnenaufgang, bringt keine Besserung, bei 4-6kn Wind stehen wir mit 1-2kn Fahrt gefühlt auf der Stelle, selbst bei 9-11kn Wind fahren wir dank der für hier nicht angesagten Gegenströmung mit 2,5-3kn „Speed“ wie durch Kleber. Zumindest lässt sich heute die Sonne mal wieder blicken. Abends verabschiedet sich der Wind gänzlich und wir motoren erneut durch die Nacht. Etmal: 68sm

Tag 6 (22.05.2024)

Der Motor läuft und läuft, die Sonne scheint, kein laues Lüftchen weit und breit. So tuckern wir durch den Tag. Zumindest kommen wir auf diese Weise ein bisschen voran. Ewig geht das natürlich nicht, der Diesel ist begrenzt (wir sind ja zum Segeln da… ;-))
Vielen anderen, nördlicher und südlicher, ergeht es ähnlich; nur auf den Azoren selbst sind für heute Nacht sportliche 40kn Wind angesagt. Etmal: 119sm

Tag 7 (23.05.2024)

Der Wind ist wieder da :-). Kurz nach Mitternacht schalten wir den Motor endlich aus und gleiten leise durchs Wasser, herrlich! Es wird ein wunderschöner Segeltag bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Erst kurz vor Mitternacht verabschiedet sich der Wind wieder. Naja, morgen soll er wieder kommen… Etmal: 122sm

Tag 8 (24.05.2024)

Alles wie gehabt: kurz nach Mitternacht setzt der Wind erneut ein und bleibt :-), er bläst uns stetig mit angenehmen 10-15kn durch den Tag, die Sonne scheint, der Tag bleibt beruhigend ereignislos. Seit einiger Zeit schwimmen immer wieder Portugisische Galeeren wie kleine Schiffchen an uns vorüber. Etmal: 141sm

Tag 9 (25.05.2024)

In der Nacht hat der Wind zugenommen auf 18-22kn, die seitlich einfallenden Wellen steigen allmählich an, die Sonne hat sich verzogen, es regnet immer wieder bei 20°C. Groß und Genua sind gerefft und wir fliegen über den Atlantik. Mit einem Schnitt von deutlich über 8kn SOG (speed over ground), haben wir bereits mittags schon 100sm erreicht. Die Leeloo (und wir mit ihr) werden ordentlich hin und her geschmissen und regelmäig abwechselnd Salzwasser- und Süßwasser-geduscht. An Schule, Lesen oder ausgiebig kochen ist heute nicht zu denken. Jeder hängt in einer Ecke rum, döst, hört Musik oder Podcast, es gibt Dosenravioli.
Wir haben inzwischen die Höhe der Azoren erreicht, und segeln ab jetzt (wenn möglich) nur noch Kurs Ost. Ca. 900sm liegen bis Horta noch vor uns. Heute haben wir Bergfest :). Etmal: unglaubliche 192sm – unser Rekord!

Tag 10 (26.05.2024)

Die Nacht blieb windig (bis 30kn), wellig und regnerisch, am Morgen ist es deutlich ruhiger. Es wir wieder ein sehr schöner Segeltag mit wenig Welle, konstant schräg-achterlichem Wind und Sonnenschein. Wir erholen uns und genießen den Tag. Am Nachmittag sehen wir das erst mal seit der Abfahrt aus Bermuda einen Tanker. Er überholt uns 1sm entfernt, wir funken ein bisschen. Er darf noch etwas weiter, sein Ziel: Ägypten. Wir haben Gott sei Dank nur noch ca. 700sm :-). Etmal: 147sm

Tag 11 (28.05.2024)

Die Tage verstreichen ohne besondere Vorkommnisse, Gott sein Dank, so darf es weiter gehen. Ab Nachmittag lässt der Wind wieder nach, wir lassen zusätzlich den Motor auf kleiner Drehzahl mitlaufen, damit wir nicht zu langsam werden. Hinter uns bildet sich langsam ein Tief aus und verfolgt uns; wir wollen dem Gröbsten entgehen, versuchen einen akzeptablen Kurs zu wählen. In den nächsten 2-3 Tagen wird sich zeigen, ob es uns gelingt…
Die Stimmung ist nach wie vor gut an Bord, alle sind gesund. Es gibt jeden Tag frisches Brot, die Wassertanks sind gut gefüllt, der Watermaker macht anstandslos Wasser (wenn es nicht zu wellig ist) und die Essensvoräte sind mehr als ausreichend. In den Dieseltank füllen wir erneut ein paar Kanister, un ihn möglichst voll zu halten und da es bei wenig Welle wesentlich leichter geht.
Und ebenfalls zum zweiten Mal stellen wir die Uhrzeit eine Stunde vor (UTC +3). Etmal: 107sm

Tag 12 (28.05.2024)

Wir sind gewappnet für das Tief, das sich in unserem Nacken heran schiebt. Von einigen Seglern weiter westlich haben wir schon gehört, dass es unangenehm werden kann, einige drehen sogar bei und warten 24 Stunden ab, bis das Schlimmste vorüber gezogen ist. Doch bis jetzt ist uns der Wettergott wohl gesonnen, wir hangeln uns genau an der Grenze entlang und kommen angenehm durch den Tag.
Am Morgen backen Hannes und ich einen Kuchen und zum Abendessen gibt’s mal wieder ein Stückerl Heimat: Hupsi mit Original Händelmaiers Süßem (ganz lieben Dank an die Kieris 😉 ) mit Sauerkraut, Kartoffelbrei, Erbsen und Möhren. Etmal: 145sm

Tag 13 (29.05.2024)

Unser „Squally-Day“. Schon in der Nacht kommen die ersten Squalls und so geht es den ganzen Tag weiter. Einer jagt den nächsten, unsere Leeloo wird ausgiebig Süßwasser-geduscht. So viel wie heute, haben wir selten die Segel gerefft und wieder ausgerefft. Aber es lohnt sich. Wir kommen, trotz des ganzen Hin- und Her’s, sehr gut durch den Tag. Nach wie vor bleiben Wind und Welle in gut erträglichem Rahmen (max. 28kn / 1-2m). Wir rutschen langsam in den Kern des Tiefs. Es ist sehr viel kälter und wir sind sehr dankbar, dass Dirk auf den Kanaren, belächelt von so vielen, bei 30 °C noch eine Heizung für uns eingebaut hat.
Dreiviertel der Strecke sind geschafft, es geht voran und sieht so aus, als ob wir bis Samstag gut durchkommen müssten…- Daumen drücken! 🙂 Etmal: 133sm

Tag 14 (30.05.2024)

Noch bis zum Mittag ziehen immer wieder Squalls mit heftigen Regenschauern und Windschwankungen (zw. 6-28kn, teils umlaufend) vorüber, dann wird es ruhiger. Es bleibt bedeckt, erst am späten Nachmittag spitzt die Sonne minimal hervor. Am Horizont erblicken wir querab das erste Segelboot, leider ohne AIS und Funk (oder ausgeschalten). Zum Sonnenuntergang begleitet uns eine Delfinschule für ein Stück. In die Nacht hinein schläft der Wind ein und wir fahren unter Motor weiter. Etmal: 133sm

Tag 15 (31.05.2024)

Schon am Morgen begrüßen uns die ersten Delfine. Über den Tag bekommen wir immer wieder Besuch von ihnen. Auch Möwen fliegen jetzt mehr und mehr ums Boot, man merkt, dass man sich Land nähert. Die erste Azoren-Insel, Flores, ist heute bereits querab, Fajal (mit Horta) rückt in greifbare Nähe, das Wetter ist kühl, aber gut, die Stimmung und die Vorfreude steigen. Zum dritten (und letzten) Mal auf dieser Überfahrt stellen wir die Uhrzeit eine Stunde vor, ab jetzt haben wir nur noch zwei Stunden Zeitverschiebung nach Deutschland. Etmal: 123sm

Tag 16 (01.06.2024)

Über Nacht poppen auf einmal mehr mehr AIS-Signale anderer Boote auf, alle strömen Richtung Horta. Das Wetter ist nach wie vor ruhig und wir cruisen mit 5-6 SOG bei 12-15kn südlichem Halbwind und wenig Welle unserem Ziel entgegen – Endspurt! 🙂

10:00 Uhr: Land in Sicht! Eine Stunde später ist die Insel wieder komplett verschwunden, in einer dicken schwarzen Wolke, mit Gewitter und viel Regen. Die letzten Stunden motoren wir gegen Wind und Welle.

15:45 Uhr: der Anker fällt nach genau 15 Tagen und 1934sm im Hafen vor Horta, Fajal, Portugal.
Wir sind happy und unendlich dankbar, dass wir gesund und heil angekommen sind, über die smoothe und „unspektakuläre“ Überfahrt und dass der Wettergott uns wohl gesonnen war.
Jetzt heißt es Dinghi ins Wasser, einklarieren und dann ab zu Peter‘s Café… 😉 Etmal: 88sm

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Patrick

    Gratulation zur gelungenen Überfahrt, nass, aber mit Heizung 🙂 Unglaublich viele Fische habt ihr gesehen, tolle Arbeit Hannes & Lena!! Bin noch immer schwer beeindruckt von euer Reise.

  2. Yvonne

    Schön, dass Ihr gut angekommen seid.
    Schade, dass wir es nicht reinbekommen haben, auf den Azoren auf Euch zu warten 🙂
    Hätten wir gerne gemacht…
    Liebe Grüße
    Y.

  3. Andreas

    Danke für den Bericht, die tollen Bilder und die sagenhaft schönen Filme! Soooo viele Fische habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Perfekt zusammengeschnitten und vertont! Beeindruckend!
    Ich freu mich dass ihr so gut angekommen seid! Keine einfache Tour!
    Genießt die Azoren! Liebe Grüße von Andreas (SY COCON).

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